Stehzeug

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Ein Stehzeug in seiner adoleszenten Lebensphase mit Kriegsbemalung und Maulkorb

Es ist eine gute Tradition, die Dinge nach ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch zu benennen: Mit einem Feuerzeug macht kamel Feuer, mit einem Flugzeug fliegt es auf die Schnauze und Grünzeug färbt Kameldung grün.

Doch keine Regel ohne eine Ausnahme: Der Hauptverwendungszweck von Stehzeugen ist es, in der Landschaft herum zu stehen und Platz zu vergeuden. Im Normalfall atmen Stehzeuge genau wie Kamele Kohlendioxid aus und zählen daher zu den vierbeinigen Gummihuftieren. Aus bisher nicht vollständig geklärten Gründen werden Stehzeuge im Volksmund jedoch Fahrzeuge genannt.

Dies ist jedoch sachlich völlig falsch. Zwar sind Stehzeuge physisch durch Drehbewegung ihrer Gummihufe in der Lage, sich fahrend fortzubewegen. Jedoch tun sie dies nur äußerst ungern und beantworten entsprechende Anforderungen ihrer Herrchen mit einem mürrischen Brummen oder Knurren.

Aussehen

Dieses ältere Exemplar ist deutlich an seiner O-Beinigkeit zu erkennen und hat bereits durch Korrosion sämtliche Kotflügel eingebüßt

Stehzeuge entwickelten sich aus anhänglichen Lastentieren, welche in Symbiose mit Ochsen und Pferden lebten. Im Laufe der Zeit wurden sie durch Zucht immer unabhängiger. Mit ihren antriebslosen Vorfahren gemeinsam haben sie die kurzen, runden Stummelbeine. Diese sind jedoch nicht mehr mit Hufeisen beschlagen sondern tragen ziemlich unhygienische Schuhe mit Gummisohlen, welche nur zwei Mal im Jahr gewechselt werden.

Der Körperbau ist bei jugendlichen Stehzeugen eine breite und hohe Klotzform. Adulte Exemplare zeigen sich dann in stromlinienförmiger Gestalt, welche dem Jagdverhalten entgegen kommt. Ältere Stehzeuge, welche ihre fruchtbare Lebensphase bereits hinter sich haben, verlieren etwas von ihrer straffen Erscheinung und sind an einer kantigen Flachkeilform zu erkennen. Senioren und greise Stehzeuge schließlich zeichnen sich durch eine drahtige Gestalt und schmale O-Beine aus.

Die Fellzeichnung ist äußerst vielfältig, eine dominierende Fellfarbe gibt es nicht. Die meisten Stehzeuge erscheinen einfarbig, haben jedoch bei genauerem Hinsehen einen metallischen Glanz. Es gibt jedoch auch dominante große Nutzstehzeuge, welche ihre weniger lastverträglichen Artgenossen durch eine ausgeprägte Fellzeichnung beeindrucken und abschrecken wollen.

Verhalten

Stehzeuge zeigen arttypisches Verhalten in ihrer natürlichen Umgebung

Stehzeuge zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten. Sie suchen die Nähe der Nistplätze ihrer Herrchen und begeben sich für die Nachtruhe wiederholt zu den selben Stehplätzen. Ist der bevorzugte Stehplatz belegt, kreisen Stehzeuge in ihrem heimatlichen Revier und belauern den Fremdsteher. Dabei versuchen sie, ihre Kontrahenten durch Warnlaute zu beeindrucken und zu vertreiben.

Stehzeuge sind Herdentiere. Sie finden sich in den Morgen- und Abendstunden zu größeren Herden zusammen und bewegen sich auf breiten Wildwechselpfaden. Sind ihnen die Wege zu den tagsüber bevorzugten Weideflächen zu weit, rotten sie sich unterwegs für längere Zeit zu größeren Steh-Herden zusammen. Die Abildung rechts zeigt eine solche Steh-Herde. Kamel beachte die beiden Alphastehzeuge in der Mitte, welche ihre Herrchen präsentieren und dabei mit den Türen wedeln.

Typische Ruflaute von Stehzeugen sind ein tiefes Brummen, bei stärkerer körperlicher Belastung auch lautes Knurren. In größeren Steh-Herden machen die Alphastehzeuge durch eindringliche Quäklaute auf sich aufmerksam. Neueren Qualzüchtungen von Stehzeugen fehlen aufgrund von Gähndefekten die Stimmbänder. Ihre Herrchen versuchen diesen gehandicapten Exemplaren zu helfen, indem sie ihnen künstliche Stimmbänder um den Hals hängen. Leider haben viele Herrchen eine recht eigenwillige Vorstellung von natürlichen Stehzeug-Lauten, sodass Vertreter dieser Qualzüchtungen in sich langsam bewegenden Stehzeug-Herden durch Summen oder Schnurren leicht erkennbar sind. Diese bedauernswerten Stehzeuge müssen dann auch noch den Spott von Hunden und Katzen erdulden, welche sich von dem Schnurren angezogen fühlen und zu allem Überfluss auch noch an diese Stehzeuge urinieren.

Medizynisches

Inkontinenz: Dieses Herrchen bemüht sich, das kleine Malheur seines betagten roten Stehzeugs zu beseitigen

Dieser Eisenmarder greift ein
Nutzstehzeug an

Überzüchtete Stehzeuge leiden oftmals unter einer Vielzahl von Krankheiten. Besonders häufig leiden Stehzeuge von Geburt an unter einem zu kleinen Herzen und erkranken früh an Hypertonie. Bei älteren bis hochbetagten Exemplaren tritt meist auch Inkontinenz auf, welche an den Flecken auf verlassenen Stehplätzen sowie bei besonders schwer erkrankten Stehzeugen auch als sichtbare Spur auf den Wildwechselpfaden zu erkennen ist.

Gelegentlich leiden Stehzeuge auch unter Parasiten. Ältere Stehzeuge können im hinteren Quadranten von Klopapierrollen und Wackeldackeln befallen werden. Diese Parasiten scheinen jedoch keinen größeren gesundheitlichen Einfluss zu nehmen; lediglich eine gewisse Resistenz gegen allzu schnelle Fortbewegung konnte beobachtet werden.

Unschöne Folgen hat der Befall des Felles mit Vögeln. Koten diese auf ein Stehzeug, kann dies nicht nur eine Beeinträchtigung des Paarungserfolges zur Folge haben. Verkotung kann langfristig zu Korrosion am Kotflügel führen, was die Flugfähigkeit beeinträchtigt. Wird eine Verkotung nicht zeitnah behandelt, kann sie mittelfristig braune Beulenpest verursachen. Diese ist infektiös und kann sich auf weitere Körperteile ausbreiten.

Schwerer wiegt hingegen der Befall des Cardialsystems mit Mardern. Dies führt in den meisten Fällen zu akuter Gefäßschwäche, starker Inkontinenz, Herzrhythmusstörungen und in bösonders schweren Fällen zum plötzlichen Herztod.

Ungesunde Ernährung mit fossilen Brennwerten führt bei älteren Stehzeugen häufig zu Erkrankungen des Herz-Lungen-Systems, welche in schweren Fällen an rußhaltiger Flatulenz zu erkennen ist. Interessanterweise scheint der Verzehr von Biokost diesen organischen Verfall noch zu beschleunigen.

Eine weitere typische Alterserscheinung ist die Erblindung. Hierbei muss unterschieden werden zwischen akuter einseitiger Nachtblindheit, welche in der Regel gut behandelbar ist, und der chronischen Eintrübung der Linsen, welche meist beidseitig auftritt und nur durch Transplantation gesunder Linsen behandelt werden kann.